"Vergewaltigung um Zwölf" (H. Schröder, 2003)

Feminine Rundungen, sanft fließende Formen, eine zart im Winde flatternde Goldkette - die unschuldige Anmut dieses Fahrrades hat rückwirkend auch die Werke impressionistischer Meister wie Claude Monet oder Georges Seurat beeinflusst.
Doch der verführerische Schein des Friedens und der Harmonie - nun, wie so oft, so trügt er auch hier.
Zentrales Thema eines jeden beschissenen Fahrrades ist das Leben als solches, und im Leben ist allein der Weg das Ziel - er liegt vor uns, willig und bereit, genommen zu werden; so ist denn das bewusste Beschreiten desselben mit sanftem Schritt ein geradezu erotischer Akt voller Wärme und Sanftmut. Nimmt der Mensch den Weg jedoch mit dem Rad, schneller, effizienter, maschinell, ohne seelischen Kontakt und Empfindung, kommt dies einer Vergewaltigung gleich - das vermeintlich liebliche Fahrrad als Werkzeug der kaltherzigen Grausamkeit, ein Sinnbild der Gewalt gegen sich selbst durch unbewussten Lebenswandel.

(H. Schröder, 2003)