"Beschissene Reise nach China" (A. Peters, 2003)

Dieses reizvolle Erstlingswerk einer jungen Hamburger Künstlerin erscheint uns auf den ersten Blick als Mahnmal für Toleranz und Friedfertigkeit - entpuppt sich bei genauerer Analyse jedoch als das Gegenteil: eine ungewöhnlich mutige Friedenskritik.
Die urmenschliche Sehnsucht nach Erfolg und sozialer Anerkennung, eindrucksvoll symbolisiert durch die optimistisch gen Himmel wachsende Glockenblume, wird verbunden mit dem natürlichen Wunsch nach Geisteserweiterung durch das Erkunden fremder Welten, dem das Fahrrad als Mittel dient - und so zum Mittler zwischen Kulturen wird. Zu einem Peace-Zeichen gespreizt, erinnert uns dabei der rostige Rahmen an die Signifikanz des interkulturellen Friedens, der nur durch einen empfindlichen Balance-Akt zwischen Bewahrung des Eigenen und Toleranz gegenüber dem Anderen zu erreichen ist - wie das allein stützende Rad unzweideutig anmahnt: Die Wahrung des Friedens verlangt oft den Preis der Opferung, bedeutet dadurch letztendlich aber auch die Wahrung eigener Interessen. Ein Hohelied des Pazifismus?
Ein nur scheinbar unscheinbar von der Szenerie entrücktes Element stellt diese Aussage gänzlich in Frage: In unmissverständlichen chinesischen Schriftzeichen weist ein Schild den Weg zum nächsten Kino und damit in eine von der Realität entrückte Traumwelt - ist das Konzept der Toleranz mit der implizierten Vision des immerwährenden Friedens zwischen den Völkern nur eine Illusion, die unserer auf Eroberung und Verdrängung ausgelegten Geisteshaltung und unserem Kriegernaturell widerspricht - der Traum von einer Utopie, mit dem uns kitschige Hollywood-Filme infizierten, ein unnatürliches Bedürfnis nach Harmonie und den Wunsch nach einem unrealistischen Happy-End des Lebenswerkes erweckend?
Womöglich erfüllt sich des Menschen Schicksal in Wahrheit nur im epischen Kampf der Völker und Kulturen?

(A. Peters / H. Schröder, 2004)